12. Juni 2018

United Internet for UNICEF: Welttag gegen Kinderarbeit

Der zehnjährige Bassiru ist nur ein paar Monate zur Schule gegangen. Dann musste er den Unterricht abbrechen und arbeiten. © UNICEF Niger/2017/Soumaila

Geschirrspülmaschine ausräumen, Tisch decken, Müll rausbringen? Auch, wenn unsere Kinder hier lautstark meckern – von Kinderarbeit sind diese Aufgaben meilenweit entfernt. 152 Millionen Mädchen und Jungen müssen weltweit unter teils gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen arbeiten. Der Schulbesuch ist ihnen meistens nicht möglich.

Was ist Kinderarbeit?

Kinderarbeit sind laut Definition Arbeiten, für die Kinder zu jung sind oder die gefährlich oder ausbeuterisch sind, die körperliche oder seelische Entwicklung schädigen oder die Kinder vom Schulbesuch abhalten. Sie beraubt Kinder ihrer Kindheit und verstößt gegen die weltweit gültigen Kinderrechte.

Man muss also unterscheiden zwischen normalen Aufgaben zum Beispiel im Haushalt, zwischen legaler Beschäftigung von Jugendlichen und zwischen Ausbeutung von Kindern.

Für legale Beschäftigung haben die meisten Staaten per Gesetz ein Mindestalter zwischen 14 und 16 Jahren festgelegt. In Deutschland ist das Mindestalter 15 Jahre mit einigen Ausnahmen für leichte Tätigkeiten – Zeitungsaustragen ist zum Beispiel auch für jüngere Jugendliche erlaubt.

Fast alle Staaten der Welt haben sich auf das Ziel geeinigt, jegliche Form der Kinderarbeit, angefangen mit der gerade beschriebenen schlimmsten Form, bis zum Jahr 2025 vollständig abzuschaffen.

Wie viele Kinderarbeiter gibt es und was tun sie?

152 Millionen Mädchen und Jungen sind nach aktueller Schätzung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) Kinderarbeiter. Insgesamt arbeiten mehr Jungen (88 Millionen) als Mädchen (54 Millionen). Fast die Hälfte leidet unter Arbeitsbedingungen, die gefährlich oder ausbeuterisch sind.

Zum Beispiel in Goldminen in Burkina Faso, als Textilarbeiter in Bangladesch, auf Kakaoplantagen der Elfenbeinküste oder auf Farmen in Lateinamerika.

Die meisten Mädchen und Jungen, die arbeiten müssen, leben in Afrika, gefolgt von Asien. Der größte Teil arbeitet in der Landwirtschaft (70,9 Prozent), in der Industrie (11,9 Prozent) und als Hilfskräfte im Dienstleistungsbereich (17,2 Prozent).

Übrigens ist der überwiegende Teil der Kinder nicht angestellt: Über zwei Drittel arbeiten im Familienverbund mit, zum Beispiel bei der Feldarbeit, in der Regel unbezahlt.

Welche Trends gibt es bei Kinderarbeit?

Die gute Nachricht ist: Immer weniger Kinder müssen arbeiten. Im Vergleich zu 2000 ist die Zahl der Kinderarbeiter von 246 auf 152 Millionen stark gesunken. Aber der Rückgang ist in den letzten Jahren langsamer geworden.

In Subsahra-Afrika scheint Kinderarbeit in den letzten Jahren wieder zugenommen zu haben. Ein Grund hierfür sind generell die schleppende wirtschaftliche Entwicklung in einigen Ländern, aber auch eine wachsende Zahl an bewaffneten Konflikten und Naturkatastrophen.

Auch im Nahen Osten beobachten UNICEF-Mitarbeiter mit Sorge, dass in Folge der Konflikte in Syrien und Irak sowohl die Zahl der Kinderehen als auch die Zahl der Kinderarbeiter unter den Flüchtlingen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat.

Jasim Mohammad, 8, arbeitet gemeinsam von früh bis spät mit seinem Vater auf einer Müllhalde im Irak. © UNICEF Iraq/2016/Anmar Rfaat

Jasim Mohammad, 8, arbeitet gemeinsam von früh bis spät mit seinem Vater auf einer Müllhalde im Irak. © UNICEF Iraq/2016/Anmar Rfaat

Warum arbeiten Kinder – und warum lassen ihre Eltern das zu?

Verschiedene Gründe führen zu Kinderarbeit. Einer davon ist Armut, meist in Kombination mit anderen Faktoren. Konflikte und Naturkatastrophen verschärfen die wirtschaftliche Not, weil beispielsweise der Haupternährer tot oder von der Familie getrennt ist, weil Felder nicht bestellt werden können oder andere Einnahmequellen wegfallen.

Im östlichen und südlichen Afrika haben Wetterextreme wie Dürren im Wechsel mit schweren Regenfällen dazu geführt, dass Kinder die Schule abbrechen, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen.

Zunächst einmal: Es muss nicht generell schlecht sein, wenn Mädchen und Jungen zum Beispiel bei der Ernte oder im Familienbetrieb mit anpacken und Erfahrungen sammeln – solange es sich in Grenzen hält und sie trotzdem zur Schule gehen können.

Schulbesuch muss möglich sein

Aber in Sudan zum Beispiel müssen einer aktuellen UNICEF-Studie zufolge zwölf Prozent aller Kinder arbeiten. Diese Mädchen und Jungen werden nur halb so oft eingeschult wie Gleichaltrige. Insgesamt geht rund ein Drittel der Kinder, die arbeiten müssen, gar nicht zur Schule. Außerdem müssen Millionen von Schulkindern parallel arbeiten.

Viele brechen deshalb die Schule vorzeitig ab oder kommen im Unterricht schlechter mit, weil sie erschöpft sind und ihnen die Zeit zum Lernen zu Hause fehlt. Heranwachsende ohne Bildung und Schulabschluss wiederum haben schlechtere Chancen, jemals eine gut bezahlte Arbeit zu finden.

Zwangsarbeit muss strikt verboten werden

Anders sind die Fälle, in denen Kinder zur Arbeit gezwungen werden, zum Beispiel durch Schuld-Knechtschaften, als Opfer von Entführungen und Menschenhandel. Das sind ganz klar Verbrechen gegen Kinder. Schätzungen zufolge werden 4,3 Millionen Kinder zum Arbeiten gezwungen, darunter eine Million Kinder, die als Prostituierte arbeiten müssen. Diese extremen Formen von Ausbeutung werden auch als moderne Sklaverei bezeichnet.

Sollte man Kinderarbeit generell verbieten?

Im Sommer 2014 sorgte ein neues Gesetz zu Kinderarbeit in Bolivien für weltweite Schlagzeilen und Diskussionen. Das Gesetz erlaubt in Ausnahmefällen schon Zehnjährigen zu arbeiten – und wurde unter anderem von arbeitenden Kindern selbst gefordert. Ein Skandal?

Grundsätzlich ist Kinderarbeit in vielen Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen eine Realität. In Bolivien haben viele Mädchen und Jungen gesagt, dass sie ihren Arbeitslohn zum Überleben brauchen. Befürworter des Gesetzes sind der Meinung, dass die Kinder sonst illegal arbeiten und dann viel mehr in Gefahr sind, ausgebeutet zu werden. Kritiker befürchten hingegen, dass der Kinderschutz durch das neue Gesetz aufgeweicht wird.

Erfahrungen aus mehreren Ländern zeigen, dass es keine einfachen Lösungen gibt. Gesetze zum Schutz von Kindern sind wichtig, aber sie müssen auch konsequent umgesetzt und von Maßnahmen begleitet werden, die die tiefer liegenden Ursachen von Kinderarbeit bekämpfen. Kinderarbeit lässt sich nicht einfach verbieten – genauso wenig, wie man Armut verbieten kann. Sie lässt sich aber überwinden.

Welche Ansätze wirken gegen Kinderarbeit?

Um Kinderarbeit zu beenden, sind in erster Linie die jeweiligen Regierungen in der Pflicht. Dabei brauchen sie Unterstützung durch Bildungsinstitutionen, Gewerkschaften, Massenmedien, Hilfsorganisationen, Spender und natürlich müssen auch Unternehmen ihren Teil dazu beitragen.

Wirksame Gesetze gegen Kinderarbeit sind wichtig, reichen aber allein nicht aus. Auch die Ursachen wie Armut und fehlende Ausbildungs- und Jobmöglichkeiten müssen bekämpft werden. Der beste Schutz vor Kinderarbeit sind Investitionen in Bildung und der Zugang zu kostenfreien, kinderfreundlichen Schulen mit guter Unterrichtsqualität.

United Internet for UNICEF setzt sich gemeinsam mit UNICEF dafür ein, dass Kinderarbeit reduziert wird und der Schulbesuch für alle Kinder möglich ist.

(Quelle für die meisten Zahlen: ILO, Global Estimates of Child Labour: Results and Trends 2012-2016, Geneva 2017.)