6. November 2008

Hanauer Atomfabrik wird grünes Rechenzentrum

1&1 Internet AG baut neues Internet-Rechenzentrum in ehemaliger Brennelementefabrik /// Platz für bis zu 100.000 Server /// Inbetriebnahme für Ende 2009 geplant

Die 1&1 Internet AG baut auf dem Gelände des Siemens Technopark Hanau eines der größten Rechenzentren Europas. Im Gebäude der ehemaligen Brennelementefabrik „Neue MOX“ baut der Internet-Anbieter auf 10.000 Quadratmetern Gebäudefläche ein Internet-Rechenzentrum, das Platz für bis zu 100.000 Server bietet. Wie alle anderen Datenzentren von 1&1 wird auch der Standort Hanau künftig ausschließlich mit Strom aus regenerativen Quellen versorgt werden. Der Provider plant in den nächsten Jahren die Schaffung von rund 20 neuen Arbeitsplätzen in Hanau und zahlreichen weiteren Stellen am Forschungs- und Entwicklungs-Standort Karlsruhe.

„„Den Standort Hanau haben wir bewusst gewählt, um die Betriebssicherheit für unsere Internet-Services weiter zu erhöhen”“, erklärt Robert Hoffmann, Vorstandssprecher der 1&1 Internet AG. „”Durch die räumliche Distanz zu unseren bisherigen Rechenzentren im Großraum Karlsruhe können wir selbst im Katastrophenfall die Erreichbarkeit unserer Dienste sicher stellen.”“

Das Hanauer 1&1 Rechenzentrum soll Ende 2009 in Betrieb gehen. Vorrangig werden hier so genannte Dedicated Server untergebracht. Von diesem Typ hat der Provider weltweit über 55.000 Rechner im Einsatz, die jeweils einem Geschäftskunden vollständig zur Verfügung stehen. Die stromsparenden Server wurden speziell auf die Anforderungen von 1&1 hin zugeschnitten und nutzen hauptsächlich das Betriebssystem Linux. Außerdem bietet das neue Rechenzentrum ausreichend Reserven für neue Dienste wie Software as a Service und Cloud Computing, die immer mehr an Bedeutung gewinnen. Dabei werden Anwendungen und Hardware von den Arbeitsplätzen der Benutzer in Internet-Rechenzentren verlagert.

„„Telekommunikation passt hervorragend zum High-Tech-Standort Hanau”“, erklärt der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky. „”Deshalb freuen wir uns, dass sich mit 1&1 einer der ganz großen Anbieter für Hanau entschieden hat. Besonders schön ist, dass so eine sinnvolle Nutzung für die hochspezialisierten Bauten der ehemaligen Nuklearindustrie gefunden wurde“”.

Die Aufwertung des Siemens Technopark unterstreicht auch Stadtrat Dr. Ralf-Rainer Piesold, der gleichzeitig darauf hinweist, wie effizient die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Unternehmen verlief. „”Der Bearbeitungs- und Entscheidungsprozess lief nach meiner Wahrnehmung für ein Vorhaben dieser Größenordnung sehr reibungslos und zügig. Der Bauvorbescheid wurde noch im Juli dieses Jahres erstellt und ausgehändigt. Der Kaufvertrag zwischen 1&1 und Siemens konnte daraufhin am 15. September unterzeichnet werden.”“

Mit dem Bau der Anlage „Neue MOX“ wurde Ende der 80-er Jahre begonnen. Ursprünglich sollten hier so genannte Mischoxid-Brennstäbe aus angereichertem Uran und Plutonium produziert werden. Ende 1995 beschloss die Siemens AG, die niemals in Betrieb gegangene Anlage aufzugeben. Vor zwei Jahren wurden die Anlagen in Hanau endgültig aus dem Regelungsbereich des Atomgesetzes entlassen – eine wichtige Voraussetzung für das Engagement von 1&1. „

„Dass aus der einstmals so umstrittenen Atomfabrik jetzt ein ‚grünes’ Rechenzentrum wird, ist natürlich ein schöner Nebeneffekt“”, freut sich Robert Hoffmann. „„Selbstverständlich benötigen Internet-Rechner Strom, der aber bei 1&1 ausschließlich aus regenerativen Quellen kommt. Zudem gilt dem Energiesparen unsere größte Aufmerksamkeit – schon alleine weil die Stromrechnung für uns einen Großteil der Betriebskosten ausmacht.”“ Der Gebäudekomplex und die umliegende Fläche bieten ausreichend Platz, um energiesparende Freikühler aufzustellen, die die Außentemperatur zur Kühlung nutzen und so den Stromverbrauch massiv reduzieren. Auch bei den Servern selbst werden Komponenten mit niedrigem Stromverbrauch eingesetzt und auf unnötige Bauteile ganz verzichtet.